Künstliche Intelligenz ist inzwischen nicht nur in aller Munde, sondern vor allem im echten Leben der vielen Menschen angekommen. In unserer neuen Serie „KI im echten Leben“ lernen wir in verschiedene Menschen kennen, die uns erzählen, wie sie selber mit KI umgehen, wie es ihren Alltag privat und im Beruf beeinflusst und wie sie mit dem Gedanken an die Zukunft darauf blicken.
Mit dem Begriff „Intelligenz“ kann er wenig anfangen. Für ihn steckt dahinter vor allem eines: bereits vorhandenes Wissen, das neu zusammengesetzt wird. Ob Texte, Bilder oder ganze Bücher – die KI erfindet nichts wirklich Neues, sondern greift auf das zurück, was Menschen irgendwann einmal geschrieben, gezeichnet oder fotografiert haben.
„Das ist alles irgendwo schon abgelegt“, sagt Dieter. Die großen KI-Systeme seien für ihn riesige Bibliotheken, gefüllt mit Büchern, Bildern und anderen Daten. Aus diesem Material entstünden dann neue Texte und Bilder. Dass man das als Intelligenz bezeichne, hält er für irreführend. Für Dieter sind es Algorithmen, die Informationen sortieren, Zusammenhänge erkennen und vorhandenes Material neu kombinieren.
Er bewertet den praktischen Wert von KI mit vier bis fünf von zehn Punkten. ChatGPT ist für ihn eine Art „Edel-Google“: eine Suchmaschine, mit der man nicht nur Informationen findet, sondern anschließend direkt weiterarbeiten kann. Man kann eine Antwort hinterfragen, sich verschiedene Möglichkeiten nennen lassen, eine davon auswählen und gemeinsam mit der KI daran weiterarbeiten. Genau dieses fortlaufende Fragen und Antworten ist für ihn der große Vorteil gegenüber einer klassischen Google-Suche.
Berichte darüber, dass KI-Systeme in andere Computersysteme eindringen, beunruhigen ihn nicht automatisch. Er glaubt nicht, dass dahinter zwangsläufig eine Maschine steckt, die plötzlich ein eigenes Bewusstsein entwickelt und selbstständig die Kontrolle übernimmt. Vielmehr sieht er das Problem in den Algorithmen, den Netzwerkverbindungen und den Sicherheitslücken, die ausgenutzt werden können. Als Beispiel erzählt Dieter von seiner eigenen Gewohnheit, den Computer abends vollständig auszuschalten. Das bedeutete zwar, morgens einige Zeit warten zu müssen, bis der Rechner wieder einsatzbereit war. Dafür war er in dieser Zeit aber auch nicht mit dem Netzwerk verbunden. Für Dieter ist das ein einfacher, nachvollziehbarer Weg, mögliche Angriffe zu erschweren.
Was ihm tatsächlich Kopfzerbrechen bereitet, ist die Menge an Informationen, die digitale Systeme speichern und möglicherweise dauerhaft weiterverwenden. Ein falscher Eintrag, ein fehlerhafter Text oder eine Information, die einmal mit dem eigenen Namen verknüpft wurde – Dieter befürchtet, dass sich solche Inhalte nur schwer wieder entfernen lassen. Dass Daten nicht einfach vergessen werden, empfindet er als eines der grundlegenden Probleme der digitalen Welt.
Warum hat er dennoch keine große Angst vor KI? Zum einen glaubt Dieter, dass er selbst durch vorsichtiges Verhalten einiges zu seiner Sicherheit beitragen kann. Zum anderen hält er sich nicht für ein besonders interessantes Ziel für Hacker. Und vor einer KI, die plötzlich „wild geworden“ ist und ihn gezielt zum Opfer machen will, fürchtet er sich erst recht nicht.
Seine Haltung ist damit weder uneingeschränkte Begeisterung noch blinder Optimismus. Dieter sieht den Nutzen, erkennt die Risiken und versucht, sie mit technischem Verständnis einzuordnen. Er vertraut der Technologie nicht einfach, aber er traut sich zu, vernünftig mit ihr umzugehen.
Für Dieter überwiegt der Nutzen. Nicht, weil er glaubt, dass KI harmlos ist, sondern weil er die Gefahren eher in menschlichem Handeln, unsicheren Systemen und dem Umgang mit Daten sieht als in einer angeblich eigenständig gewordenen Maschine.
KI-Nutzen im Alltag: 4–5/10
Sorge mit Blick auf die Zukunft: 3–4/10
Photo-Quelle: Joshua Hoehne, www.unsplash.com