Schulbegleitung in Hamburg: Was sich jetzt ändern soll – einfach erklärt

20. Juli 2026   Kirsten Michalski
Familie, In Hamburg und Drumherum, Kinder  

In Hamburg wird derzeit viel über das Thema Schulbegleitung diskutiert. Elternverbände und Sozialorganisationen schlagen Alarm, während die Schulbehörde von einer Weiterentwicklung des bestehenden Systems spricht. Doch worum geht es eigentlich? Wir wollen hier kurz und einfach erklären, wieso das Thema grade so umstritten ist.

Was ist eine Schulbegleitung?

Eine Schulbegleitung unterstützt Kinder, die aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigung Hilfe im Schulalltag benötigen. Ziel ist es, ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe am Unterricht zu ermöglichen. Je nach Bedarf kann eine Schulbegleitung zum Beispiel:

  • bei der Orientierung im Schulgebäude helfen,
  • den Schulalltag strukturieren,
  • in belastenden Situationen unterstützen,
  • bei der Kommunikation helfen,
  • soziale Kontakte begleiten oder
  • bei körperlichen Einschränkungen praktische Hilfe leisten.

Wichtig ist: Eine Schulbegleitung übernimmt nicht den Unterricht. Sie unterstützt das Kind dabei, möglichst selbstständig am Schulleben teilzunehmen.

Was soll sich in Hamburg ändern?

Die Hamburger Schulbehörde plant, die Organisation der Schulbegleitung zu verändern. Nach Angaben der Behörde soll die Unterstützung künftig „passgenauer eingesetzt“ und „besser koordiniert“ werden. Außerdem sollen verschiedene Unterstützungsangebote stärker miteinander verzahnt werden. Die Behörde betont, dass die Schulbegleitung nicht abgeschafft werde. Vielmehr gehe es darum, die vorhandenen Ressourcen gezielter einzusetzen und die Qualität des Angebots langfristig zu sichern.

Aber warum gibt es daran Kritik?

Elternverbände, Sozialverbände und Gewerkschaften befürchten, dass Kinder künftig weniger individuelle Unterstützung erhalten könnten. Besonders kritisch sehen sie, dass in einigen Fällen auch Freiwilligendienstleistende oder weniger qualifizierte Kräfte eingesetzt werden könnten, wo bislang pädagogische Fachkräfte tätig waren.

Außerdem besteht die Sorge, dass der Zugang zur Schulbegleitung schwieriger werden oder der Umfang der Unterstützung sinken könnte.

Die Schulbehörde weist diese Vorwürfe zurück und betont, dass sich die Hilfe weiterhin am Bedarf der einzelnen Kinder orientieren soll.

Was bedeutet das für Familien?

Für Familien, deren Kinder bereits eine Schulbegleitung haben oder künftig benötigen könnten, sorgt die Diskussion vor allem für Verunsicherung, denn es scheinen inzwischen immer mehr Bestätigungen vorzuliegen von Familien und Schulen, dass zuvor als notwendig erachtete Stunden nicht mehr bewilligt worden sind. Besonders kritisiert wird, dass diese Kürzungen ohne individuelle Begründungen erfolgen, obwohl die Schulbehörde angibt, dass sich Kriterien nicht verändert haben.

Eltern müssen dieser Begründung nun selbstständig nachgehen, obwohl die Bedarfe eigentlich für mehr Stunden festgelegt wurde. Das Einholen weiterer Gutachten, das Stellen erneuter individueller Anträge und ggf. das Einleiten von rechtlichen Schritten sind zeitintensiv und nervenaufreibend. Die Ferien verbringen diese Familien nun damit sich selber zu fragen, ob ihr Kind auch künftig die Unterstützung erhält, die es braucht.

In welchem Umfang die Änderungen umgesetzt und sich dann in der Praxis auswirken werden, wird sich erst zeigen. Klar ist jedoch: Für viele Kinder ist eine Schulbegleitung eine wichtige Voraussetzung, um den Schulalltag erfolgreich und möglichst selbstständig bewältigen zu können.

Stellungnahmen vom Kreiselternrat der speziellen Sonderschulen und ReBBZen gibt es hier: https://www.ker-so.de/?Stellungnahmen

Hier ist eine Stellungnahme der Schulbehörde zu lesen: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bsfb/veroeffentlichungen/pressemeldungen/schulbegleitung-bildungssenatorin-bekeris-widerspricht-oeffentlichen-darstellungen-1192716