Diese Frage klingt harmlos. Smalltalk-tauglich. Eine dieser Fragen, die man Anfang Januar stellt, wenn der Alltag langsam wieder anrollt. Und doch steckt für viele Familien und besonders Alleinerziehende darin so viel mehr, als man in ein paar Sätzen beantworten kann.
Weihnachten – das ist für Familien ohnehin eine Hochleistungsphase. Schon Wochen vorher stapeln sich die Termine: Adventsbasteln in der Kita, Weihnachtsfeier in der Schule, Auftritte im Sportverein. Alles gleichzeitig, alles wichtig, alles bitte mit Anwesenheit.
Und als wäre das nicht genug, ist diese Zeit für viele von uns auch beruflich die stressigste im Jahr. Jahresabschlüsse, Urlaubsvertretungen, hoher Krankenstand, Deadlines vor den Feiertagen. Privatleben und Beruf krachen frontal aufeinander – und irgendwo dazwischen versuchen wir „besinnlich“ zu sein.
Denn die Erwartungen sind hoch. Sehr hoch. Es soll gemütlich sein. Warm. Ja, magisch. Kekse müssen gebacken werden (am besten selbst, versteht sich). Der Wichtel zieht ein – mit kleinen Streichen und noch kleineren Briefen, aber großer Vorfreude bei den Kindern. Der Adventskalender ist bitte nicht gekauft, sondern kreativ, nachhaltig und liebevoll, individuell gestaltet.
Und all das bitte nebenbei, nach der Arbeit, zwischen Abwasch und Brotdosen.
Für einige, besonders Alleinerziehende, kommt noch eine weitere Ebene dazu: der finanzielle Druck.
Geschenke müssen besorgt werden – und sie sollen mithalten können. Mit dem, was andere Kinder erzählen, was auf dem Schulhof verglichen wird und mit dem unausgesprochenen Anspruch, dass das eigene Kind bitte nicht das Gefühl haben soll, weniger zu bekommen. Das schlechte Gewissen fährt dabei oft mit. Auch dann, wenn man eigentlich weiß, dass Liebe nicht im Geschenkpapier steckt.
Und dann ist da diese andere Seite von Weihnachten, über die wenig gesprochen wird:
Diese Zeit ist für viele Alleinerziehende die einsamste Zeit des Jahres. Gerade dann, wenn keine Familie in der Nähe ist. Während andere sich im großen oder kleinen Kreis treffen, mehrere Tage zusammen verbringen, Zuständigkeiten teilen („Ich mach den Nachtisch“, „Kannst du die Kinder kurz nehmen?“), ist man selbst oft tagelang allein mit den Kindern. Ohne Pause. Ohne Wechsel. Und während für die Kinder Geschenke unter dem Baum liegen, liegt für einen selbst dort oft: nichts. Kein kleines Päckchen, kein Zettel, kein „Ich hab auch an dich gedacht“. Das tut weh. Auch wenn man stark ist. Wenn man es gewohnt ist. Und auch wenn man weiß, dass man es „für die Kinder“ macht.
Was wir füreinander tun können
Wenn ihr Alleinerziehende im Freundes-, Nachbarschafts- oder Kolleg:innenkreis habt: Nehmt die Kinder doch mal mit ins Theater, ins Kino, zum Schlittschuhlaufen. Das ist für die Kinder ein Highlight – und für die alleinerziehende Person eine echte Entlastung. Und legt der Mutter oder dem Vater etwas Kleines unter den Baum, eine Karte eine Kerze, eine Tafel Schokolade. Es geht nicht um den Wert, sondern um das Gesehenwerden.
Und an alle Alleinerziehenden
Ihr müsst da nicht allein durch. Auch wenn es sich oft so anfühlt. Tut euch zusammen. Verabredet euch. Feiert gemeinsam. Oder schließt euch Organisationen an, die genau dafür da sind. Zum Beispiel Mehr Zusammen e.V. in Hamburg, die gemeinsame Feste für Menschen organisieren, die sonst allein wären. Gemeinschaft darf man sich holen – das ist keine Schwäche, sondern Selbstfürsorge.
Also, wenn euch nach den Feiertagen jemand fragt: „Und wie waren die Feiertage bei euch so?“ Dann darf die Antwort ehrlich sein. Leise. Oder auch laut. Denn hinter dieser Frage steckt manchmal eine ganz unerwartete Geschichte.
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