Was hat dein Smartphone eigentlich mit Demokratie zu tun? Eine ganze Menge! Im März haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6c der Ilse-Löwenstein-Schule die Schulbank gegen ein Redaktionsbüro getauscht. Bei der Workshop-Reihe „Starke Stimmen“ – organisiert von IMPCT gGmbH mit dem ONLINE-Magazin Middenmang – ging es drei Nachmittage lang um die Frage: Wer darf was sagen, schreiben und im Netz teilen? Anderen zuhören und die eigene Meinung laut aussprechen – darum ging es hier ganz praktisch.
Richtig emotional wurde es, als eine junge Journalistin aus Afghanistan im Klassenzimmer saß. Sie lebt heute im Exil und erzählte den Schüer:innen hautnah, wie gefährlich es sein kann, wenn du als Frau in ihrer Heimat einfach die Wahrheit sagst. Plötzlich war das Wort „Pressefreiheit“ kein trockenes Thema mehr, sondern eine echte Lebensgeschichte. Die Klasse merkte schnell: Dass wir hier posten, filmen und streamen können, was wir wollen, ist alles andere als selbstverständlich.
Im letzten Workshop ging es dann selbst ans Werk. Die Jugendlichen schnappten sich Mikrofone und Kameras, um eigene Interviews zu führen – unterstützt von einer echten Filmemacherin. Parallel dazu entstanden digitale Medien-Collagen. Statt zu Stift und Papier zu greifen, nutzten die Sechstklässler fast ausschließlich KI-Bildgeneratoren und Fundstücke aus dem Netz, um ihre Gedanken sichtbar zu machen. Nebenbei lernten sie, wo die Grenzen liegen – zum Beispiel beim Datenschutz und dem Urheberrecht.
Für das Redaktionsteam war genau das die spannendste Beobachtung:
Kreativität funktioniert heute digital. Jugendliche nutzen Tools wie KI ganz selbstverständlich, um sich auszudrücken und ihre Meinung in die Welt zu tragen.
Dass die Sechstklässler so sicher mit KI-Tools hantierten, ist beeindruckend. Es zeigt aber auch eine digitale Sackgasse: Wenn Kreativität nur noch per Mausklick stattfindet, bleibt etwas Wesentliches auf der Strecke – das haptische Erleben.
Wer nur noch Prompts eintippt, spürt nicht mehr, wie sich unterschiedliche Materialien anfühlen. Es fehlt das physische Experimentieren: das Schneiden von echtem Papier, das Mischen von Farben, das bewusste Ausrichten eines echten Kameraobjektivs im Raum. Wenn die KI auf Knopfdruck ein perfektes Bild ausspuckt, fällt der oft chaotische, aber lehrreiche Prozess des Ausprobierens weg. Fehler werden einfach gelöscht, anstatt aus ihnen zu lernen. Doch genau in diesem analogen Ausprobieren – im handfesten Tun – liegt der Ursprung echter, tiefer Innovation.
Versteht das nicht falsch: Digitale Tools und KI sind großartige Werkzeuge. Sie können Ideen beschleunigen und Barrieren abbauen. Aber sie sollten die digitale Verlängerung deines Kopfes sein – nicht der Ersatz für deine Kreativität, denn KI generiert Mittelmaß.
Wir müssen Jugendlichen wieder den Raum geben, sich schmutzig zu machen. Wir brauchen Projekte, in denen gezeichnet, gebaut, geschnitten und laut diskutiert wird. Wahre Medienkompetenz bedeutet nämlich nicht nur, eine KI bedienen zu können. Sie bedeutet zu wissen, wie es sich anfühlt, etwas komplett Eigenes, Einzigartiges von Grund auf mit den eigenen Händen geschaffen zu haben.
Nutzt die Technik, um eure Ideen fliegen zu lassen – aber vergesst nicht, sie vorher selbst zu erden. Greift zum Stift, baut Kulissen, schneidet Papier und traut euch, analoge Fehler zu machen. Denn die stärksten Stimmen entstehen da, wo Herz, Kopf und Hand zusammenarbeiten. Aus diesem Grund wird es im nächsten Schuljahr weiter gehen, um diese Erkenntnisse zu vertiefen und umzusetzen. Mit mehr Zeit und Raum für kreative Prozesse.
Der Workshop hat gezeigt, wie wichtig es ist, Schüler:innen den Raum und die Technik für eigenes Experimentieren zu geben. Daher gehen wir nach den Sommerferien in eine nächste Runde. Mit ´Starken Stimmen – Ilse steht auf´ werden Workshops realisiert, die genau hier ansetzen werden. Schüler:innen der Oberstufe und der 10 Klassen der Ilse-Löwenstein-Schule, entwickeln ihre eigenen hybriden Formate und eine Wandzeitung für einen Aktionstag #Ilse steht auf!


Die Workshopreihe wurde als Kooperation von Schüler:innen der Ilse Löwenstein Stadtteilschule, der IMPCT gGmbH und dem Online Middenmang Magazin durchgeführt.
Erstes Interview
Zweites Interview
Drittes Interview
Viertes Interview